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Greenspans endloser Tsunami – zur Krise der IT-Offensive Wir haben bis heute den Grund für den Zusammenbruch von 2008 und die Finanzkrise nicht begriffen, obwohl er in den Materialien der amerikanischen Zentralbank (Federal Reserve Board, „Fed“) offen zutage liegt.

Aber die hat wohl niemand gelesen. Erklärt hat man uns die Krise von rechts und links als fahrlässige Herbeiführung einer Blase durch die amerikanische Politik niedriger Zinsen und billiger Kredite, die eine geradezu leichtsinnige Einladung in die Finanzspekulation und den Finanzmarktkapitalismus ausgesprochen hätte. Und das zu Lasten des produktiven Sektors. Beides ist falsch, das genaue Gegenteil ist richtig. Die Blase war nicht fahrlässig, sondern mit voller Absicht verursacht und der Zusammenbruch ist bewusst herbeigeführt worden. Und das zur Förderung des produktiven Sektors, nicht zu seinen Lasten. Die Realökonomie ist der Schlüssel, die Finanzmärkte erst in zweiter Linie. Das ist das Ergebnis meiner Untersuchungen der bisher unerforschten Dokumente aus der amerikanischen Zentralbank und der Äußerungen ihrer maßgeblichen Akteure, vor allem ihres Vorsitzenden Alan Greenspan. Ich stelle sie heute als Buch vor1 und fasse sie hier in einer Nussschale zusammen.

1995 griff Alan Greenspan, Fed-Vorsitzender und mächtigster Banker der Welt die noch zaghaften IT-Ansätze auf und entfesselte mit unermesslicher Liquidität eine epochale Innovationsoffensive. Das Ziel: die tradierten Formen von Arbeiten und Leben zu zerstören und die Herrschaft des Kapitalismus zu erneuern. Unter amerikanischer Führung. Beherrscht aus einer neuen Weltmetropole. Mit neuen amerikanischen Herrenschichten über ins Abseits gedrängte Service-Sklaven. Unter globaler Zerstörung und Entwertung tradierter Lebensformen. Und unter Einrichtung eines neuen globalen und amerikanisch dominierten imperialen Machtgefälles. „Schöpferische Zerstörung“ nannte Greenspan das im Einklang mit dem als Ökonomen des 21. Jahrhundert gefeierten Joseph Schumpeter. Wie wir inzwischen wissen, hat er das durchgesetzt. Mit Hilfe von zwei gigantischen Blasen. Die erste ist 2000 geplatzt, die zweite 2007. Sie waren beabsichtigt, denn die Durchsetzung einer Innovationsoffensive in eine neue Ära braucht finanzielle Blasen.  Und wenn sie platzen? Greenspan: „Explodieren lassen, aufgewischt wird später!“ Mit neuem Geld, bis heute und in eine neue Blase hinein.

Wir sind heute an ihrem kritischen Bruchpunkt angelangt. In der Geschichte hat das "Krieg" bedeutet. Krieg zur endgültigen Erneuerung der Welt. Der Erste und der Zweite Weltkrieg waren solche Kriege. Heute wieder? Vorboten sehen wir genug: Die Spannungen und ihr kriegerischer Ausdruck nehmen zu. Geflüchtete drängen und werden barbarisch behandelt. Die Unterschiede zwischen Reich und Arm werden dramatisch.  Die Entwertung in unseren Städten („Gentrifizierung“) und von ganzen ins Abseits gedrängten Städten ebenfalls. Etc., etc.

Hat Gegenwehr eine Chance? Und welche?


Detlef Hartmann, Krisen - Kämpfe - Kriege. Band 1: Alan Greenspans endloser "Tsunami"
ISBN 978-3-86241-448-2 | erschienen 10/2015 | 240 Seiten | Paperback | lieferbar | 14,00 €
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